Worum es geht
- ALKIS ist der heutige Standard für Daten des Liegenschaftskatasters.
- Das AAA-Modell verbindet AFIS, ALKIS und ATKIS als amtliches Geodatenmodell.
- NAS ist der fachlich vollständige Austauschweg für ALKIS-Daten; WMS dient vor allem der Darstellung, WFS der objektbezogenen Auswertung.
- Eigentümerdaten sind personenbezogen und dürfen nur mit rechtlicher Grundlage beziehungsweise berechtigtem Interesse genutzt werden.
- Produkte, Formate, Gebühren, Aktualität und Zugangsregeln unterscheiden sich je nach Bundesland.
Die Abkürzungen einfach erklärt
Bei Katasterdaten tauchen viele Kürzel auf, die nach Softwaretechnik klingen, aber im Baualltag echte Folgen haben. Wer weiß, ob er ein Kartenbild, einen Datenauszug oder objektbezogene Geodaten vor sich hat, vermeidet falsche Grenzannahmen, Importfehler und Datenschutzprobleme.
- ALKIS: Amtliches Liegenschaftskataster-Informationssystem. Das ist der heutige digitale Datenbestand für Flurstücke, Gebäude, Nutzungsarten und weitere Katasterinformationen.
- AAA-Modell: AFIS, ALKIS und ATKIS. Die drei Systeme bilden zusammen das amtliche Geodatenmodell der Vermessungsverwaltungen.
- AFIS: Amtliches Festpunktinformationssystem. Dort geht es um geodätische Festpunkte, also Punkte für den amtlichen Raumbezug.
- ATKIS: Amtliches Topographisch-Kartographisches Informationssystem. Dort liegen topografische Geobasisdaten wie Landschaft, Straßen, Gewässer, Gelände und Karteninformationen.
- NAS: Normbasierte Austauschschnittstelle. Das ist ein strukturiertes Austauschformat für ALKIS- und AAA-Daten, meist für GIS- oder Vermessungssoftware.
- WMS: Web Map Service. Das ist ein Kartendienst zum Anschauen; er liefert ein Kartenbild, aber nicht automatisch verwertbare Geometrien.
- WFS: Web Feature Service. Das ist ein Dienst zum Abrufen von Geoobjekten, zum Beispiel Flurstücken oder Gebäuden mit Geometrie und Attributen.
- GIS: Geoinformationssystem. Damit werden räumliche Daten angezeigt, gefiltert, analysiert und mit anderen Informationen kombiniert.
- CAD: Computer-Aided Design. Auf der Baustelle meint das meist Zeichen- und Planungsdaten für Ausführung, Absteckung oder Bestandspläne.
- CRS: Coordinate Reference System, also Koordinatenreferenzsystem. Es legt fest, in welchem Lagebezug Koordinaten stehen, zum Beispiel ETRS89/UTM.
ALKIS ist mehr als eine digitale Flurkarte
ALKIS führt die Inhalte des Liegenschaftskatasters digital und objektstrukturiert. Eine Grenze ist dort nicht nur eine Linie, ein Gebäude nicht nur eine Fläche und ein Flurstück nicht nur ein Polygon. Zu den Objekten gehören Attribute, Ordnungsbegriffe, Lagebezüge und teilweise weitere Sachinformationen.
- Ein PDF-Auszug ist eine Darstellung, aber keine vollständige objektstrukturierte Datengrundlage.
- Eine NAS-Datei kann Fachobjekte mit Attributen, Beziehungen und Koordinaten enthalten.
- Vektor-, Raster-, Textdaten und Geodatendienste haben unterschiedliche Aussagekraft und Nutzungsgrenzen.
AAA-Modell: AFIS, ALKIS und ATKIS zusammen denken
Das AAA-Modell ist das gemeinsame Datenmodell des amtlichen Vermessungswesens. Es umfasst AFIS für Festpunkte, ALKIS für das Liegenschaftskataster und ATKIS für topografische Geobasisdaten. Für Nutzer ist daran vor allem wichtig: Objekte, Attribute, Geometrien und Austauschstrukturen folgen einem definierten Modell.
- AFIS liefert Informationen zum amtlichen Raumbezug und zu Festpunkten.
- ALKIS liefert Liegenschaftsinformationen wie Flurstücke, Gebäude, Nutzungen und Katasterangaben.
- ATKIS liefert topografische Geobasisdaten für Karten, Landschaftsmodelle und übergreifende Planungen.
NAS als fachlicher Austauschweg
NAS-Daten sind keine einfache CAD-Zeichnung. Sie transportieren objektstrukturierte Geodaten aus dem AAA-Modell mit Geometrien, Attributen und Beziehungen. Das ist stark, wenn Vermessungs- oder GIS-Software die Daten korrekt lesen kann; es ist aber riskant, wenn beim Import nur Linien übrig bleiben und Objektinformationen verloren gehen.
- Vor dem Import Datenstand, Gebietsausschnitt, CRS, enthaltene Objektarten und Nutzungsbedingungen prüfen.
- Nach dem Import kontrollieren, ob Flurstücke, Gebäude, Punkte und Attribute fachlich erhalten geblieben sind.
- Eigentümerdaten können je nach Produkt enthalten oder bewusst ausgeschlossen sein.
WMS und WFS: ansehen oder auswerten
WMS und WFS werden oft verwechselt. Ein WMS ist ein Darstellungsdienst und liefert Kartenbilder. Er eignet sich gut als Hintergrundkarte, aber nicht als sichere Grundlage, um daraus Grenzen, Flächen oder Absteckpunkte zu konstruieren. Ein WFS liefert dagegen Geoobjekte mit Geometrie und Attributen, die sich besser filtern, analysieren und weiterverarbeiten lassen.
- WMS: gut für Orientierung, Planhintergrund, Lagevergleich und schnelle Sichtprüfung.
- WFS: besser für objektbezogene Auswertung, GIS-Analyse und geordnete Datenübernahme.
- Beide Dienste brauchen Prüfung von Aktualität, CRS, Lizenz und fachlicher Aussagekraft.
Eigentümerdaten und Datenschutz
Eigentümerdaten sind personenbezogene Daten und deshalb keine normalen Geodaten. Je nach Produkt und Bundesland können Eigentümerangaben enthalten, eingeschränkt, ausgeblendet oder nur nach besonderer Prüfung zugänglich sein. Wer solche Daten für Nachbaranschreiben, Bauvorlagen, Grunderwerb, Leitungsrechte oder Betretungserlaubnisse benötigt, braucht eine passende Rechtsgrundlage beziehungsweise ein berechtigtes Interesse.
- Eigentümerdaten nur zweckbezogen verwenden und nicht unnötig in Projektordnern oder CAD-Plänen verteilen.
- Bei Weitergabe an Nachunternehmer vorher klären, ob die Lizenz und der Datenschutz das erlauben.
- Flurstücksgeometrien, Gebäudedaten und Nutzungsarten sind anders zu behandeln als personenbezogene Angaben.
Landesunterschiede und Bayern-Bezug
ALKIS ist bundesweit standardisiert, aber die Bereitstellung ist Ländersache. Deshalb unterscheiden sich Produkte, Portale, Gebühren, OpenData-Angebote, Dienst-URLs, Lizenzbedingungen und Zugangsregeln. In Bayern kommen ALKIS-Produkte und Geodatendienste über die Bayerische Vermessungsverwaltung beziehungsweise die zuständigen Ämter für Digitalisierung, Breitband und Vermessung.
- Nicht jedes frei sichtbare Kartenbild ist automatisch frei weiterverwendbar.
- Nicht jeder Dienst enthält Eigentümerdaten; viele Produkte liefern bewusst Daten ohne Eigentümerangaben.
- Bei Projekten über Landesgrenzen hinweg Produkte, CRS und Nutzungsbedingungen je Bundesland getrennt prüfen.
Baustellen-Check vor der Datenübernahme
Vor der Übernahme in CAD, GIS, Tachymeter oder Bauabrechnung sollte klar sein, welches Produkt vorliegt und wofür es verwendet werden darf. Ein sauberer Datencheck ist oft schneller als eine spätere Korrektur, wenn Grenzen, Flächen oder Eigentümerinformationen falsch interpretiert wurden.
- Liegt ein amtlicher Auszug, eine NAS-Datei, ein WMS, ein WFS oder nur ein PDF vor?
- Sind Datenstand, CRS, Gebietsausschnitt, Lizenz und Weitergaberechte dokumentiert?
- Werden Daten nur dargestellt oder wirklich als Geoobjekte importiert?
- Stimmen ALKIS-Daten, Lageplan, Werkplanung und örtliche Festpunkte zusammen?
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Checkliste
- Abkürzungen vor Projektstart klären: ALKIS, NAS, WMS, WFS, GIS, CAD und CRS nicht vermischen.
- Bei jedem Datensatz Datenstand, Herausgeber, Produktart und Nutzungsbedingungen dokumentieren.
- WMS nur als Darstellung behandeln und nicht als Quelle für Absteckpunkte oder Grenzkoordinaten verwenden.
- Bei WFS- oder NAS-Import Objektarten, Attribute, Geometrien, CRS und Einheiten prüfen.
- Eigentümerdaten nur bei passender Rechtsgrundlage beziehungsweise berechtigtem Interesse verwenden.
Typische Fehler
- Eine WMS-Darstellung als CAD-Geometrie oder amtlichen Grenznachweis behandeln.
- ALKIS-Flurstücksflächen direkt als Bauabrechnungsflächen verwenden.
- Eigentümerdaten ungeprüft in Projektpläne, Verteiler oder Nachunternehmerpakete übernehmen.
- CRS, Datenstand und Objektarten beim Import in CAD oder GIS ignorieren.
- Daten aus verschiedenen Bundesländern gleich behandeln, obwohl Portale und Nutzungsrechte abweichen.
Wissen wird wertvoll, wenn es im Projekt sauber dokumentiert ist.
Mit sitepit bleiben Aufmaß, Fotos, Planstände, Tagesberichte und Nachweise dort, wo Bauleitung und Büro sie später wiederfinden.