Worum es geht
- Verbindungsfunktion, Erschließungsfunktion und Aufenthaltsfunktion erzeugen unterschiedliche Anforderungen an Geschwindigkeit, Querschnitt, Knoten und Seitenräume.
- Die ältere RAS-Logik mit Kategoriengruppen A bis E ist fachlich hilfreich, wurde aber durch heutige RIN-, RAL-, RAA- und RASt-Systematik ersetzt beziehungsweise weiterentwickelt.
- Innerhalb bebauter Gebiete sind Funktionsüberlagerungen der Regelfall und müssen gestalterisch gelöst werden.
Verbindungsfunktion
Die Verbindungsfunktion steht für den Transport von Personen und Gütern zwischen Zielen. Sie verlangt eine angemessene Reisegeschwindigkeit, Gleichmäßigkeit des Verkehrsablaufs, ausreichende Leistungsfähigkeit und sichere Knotenpunkte. Außerhalb bebauter Gebiete dominiert diese Funktion häufig.
Erschließungsfunktion
Die Erschließungsfunktion stellt die Zufahrt zu Grundstücken, Gebäuden und Nutzungen sicher. Sie bringt Ein- und Ausfahrten, Halten, Liefern, Rettungsdienste, Müllfahrzeuge, Fuß- und Radverkehr mit sich. Je stärker die Erschließung, desto kritischer wird ungefilterter Durchgangsverkehr.
Aufenthaltsfunktion
Angebaute Straßen sind oft auch öffentlicher Raum. Einkaufen, Schulwege, Aufenthalt, Kommunikation, Außengastronomie, spielende Kinder und Querungen stehen in Spannung zu Geschwindigkeit und Verkehrsmenge. Wenn Flächen knapp sind, muss die Verträglichkeit aktiv hergestellt werden.
Von alter RAS-Logik zu heutigen Regelwerken
Ältere RAS-Unterlagen beschreiben Kategoriengruppen A bis E. Für aktuelle Planungen ist die Einordnung über RIN und die anschließende Bearbeitung mit RAA, RAL oder RASt maßgebend. Die Grundidee bleibt: Lage, Anbau, Netzfunktion und Umfeld bestimmen den Entwurfsanspruch.
- RIN: integrierte Netzgestaltung und Kategorien für Verkehrswege.
- RAA: Autobahnen.
- RAL: Landstraßen.
- RASt: Stadtstraßen, also Erschließungsstraßen und Hauptverkehrsstraßen in bebauten Bereichen.
Konflikte in Ortsdurchfahrten
Ortsdurchfahrten zeigen die Funktionsüberlagerung besonders deutlich: überörtliche Verbindung trifft auf Grundstückszufahrten, Fußverkehr, Radverkehr, Aufenthalt, Lärm, Querung und Ortsbild. Ein guter Entwurf entscheidet nicht abstrakt für eine Funktion, sondern macht die unvermeidbaren Konflikte verträglich.
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Checkliste
- Für jeden Abschnitt die Hauptfunktion und Nebenfunktionen benennen.
- Verbindungsanspruch nicht automatisch über Aufenthalts- und Erschließungsansprüche stellen.
- Regelwerk passend zur Lage wählen: Autobahn, Landstraße oder Stadtstraße.
- Ortsdurchfahrten abschnittsweise betrachten, weil Funktionen wechseln können.
- Fuß-, Rad-, ÖPNV-, Liefer- und ruhenden Verkehr von Anfang an berücksichtigen.
Typische Fehler
- Eine Straße formal kategorisieren, ohne den Straßenraum anzusehen.
- Alte RAS-Kategorien unkommentiert als aktuellen Stand veröffentlichen.
- Aufenthaltsfunktion nur als Gestaltungsthema statt als Sicherheits- und Nutzungsanspruch behandeln.
- Zufahrten und Querungen bei Verbindungsstraßen unterschätzen.
Wissen wird wertvoll, wenn es im Projekt sauber dokumentiert ist.
Mit sitepit bleiben Aufmaß, Fotos, Planstände, Tagesberichte und Nachweise dort, wo Bauleitung und Büro sie später wiederfinden.