Stadtstraßen: Verkehrsberuhigung, Kreisverkehr und Radverkehrsanlagen

Stadtstraßen sind selten reine Fahrbahnen. Sie sind Arbeitsraum, Aufenthaltsraum, Lieferzone, Schulweg, ÖPNV-Trasse, Radroute und Erschließung zugleich.

RASt Praxiswissen mit Checkliste Stand 03.05.2026

Worum es geht

  • Angebaute Straßen erfordern eine Abwägung zwischen Kfz-Verkehr, Fuß- und Radverkehr, Aufenthalt, ÖPNV, Lieferung und ruhendem Verkehr.
  • Verkehrsberuhigung gelingt nicht nur mit Schildern, sondern durch Straßenraumgestaltung, Netzlogik und Geschwindigkeitserwartung.
  • Kreisverkehre können Geschwindigkeit senken, Knoten leistungsfähiger machen und Wartezeiten reduzieren, müssen aber zu Umfeld und Verkehrsarten passen.

Angebaute Straßen richtig lesen

Bei angebauten Straßen liegen die Nutzungsansprüche direkt am Fahrbahnrand. Grundstückszufahrten, Parken, Laden, Gehwege, Haltestellen, Bäume, Radverkehr und Querungen brauchen Raum. Wenn die Fahrbahn allein optimiert wird, verschiebt sich der Konflikt nur in die Seitenräume.

Ortsdurchfahrten und dörfliche Räume

In dörflichen Ortsdurchfahrten treffen überörtliche Verbindungsfunktion und lokales Leben oft auf engem Raum zusammen. Arbeits- und Lagerflächen, Treffpunkte, Hofzufahrten, landwirtschaftliche Fahrzeuge und Fußverkehr müssen mit Geschwindigkeit und Durchgangsverkehr verträglich gemacht werden.

Flächenhafte Verkehrsberuhigung

Verkehrsberuhigung zielt auf weniger Verkehr, Verlagerung auf verträglichere Verkehrsmittel, technische Verbesserungen und eine nutzungsverträgliche Abwicklung. Bauliche Maßnahmen helfen, reichen aber ohne passende Netzführung und Akzeptanz häufig nicht aus.

Kreisverkehrsplätze

Kreisverkehre verbinden mehrere Knotenarme über eine Kreisfahrbahn. Sie können Ortseingänge markieren, Geschwindigkeiten reduzieren, gleichrangige Zufahrten ordnen, Emissionen durch weniger Standzeiten reduzieren und Betriebskosten gegenüber signalisierten Knoten senken. Sie sind aber keine Standardantwort für jeden Knoten.

Radverkehrsanlagen

Radverkehr kann auf der Fahrbahn, auf Radfahrstreifen oder auf straßenbegleitenden Radwegen geführt werden. Die Wahl hängt von Verkehrsmenge, Schwerverkehr, Geschwindigkeit, Parken, Laden, Schutzbedürftigkeit und Knotenpunktführung ab. Besonders kritische Stellen liegen oft an Einmündungen und Grundstückszufahrten.

Aktuelle Klimaperspektive

Seit den E Klima 2022 und dem RASt-06-Arbeitspapier 2024 wird bei Stadtstraßen stärker gefragt, ob der vorhandene Raum klima-, sicherheits- und mobilitätsgerecht verteilt ist. Fußverkehr, Radverkehr und ÖPNV werden nicht erst als Restflächen ergänzt, sondern früh als eigene Netze, Prioritäten und Qualitätsansprüche geprüft.

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Checkliste

  • Alle Nutzungsansprüche des Straßenraums aufnehmen, nicht nur Kfz-Verkehr.
  • Geschwindigkeit durch Gestaltung, Querungen und Netzführung plausibel machen.
  • Kreisverkehr auf Leistungsfähigkeit, Fuß- und Radführung, Schwerverkehr und Sicht prüfen.
  • Parken und Laden nicht nachträglich in Rad- oder Gehflächen drücken.
  • Ortsdurchfahrten abschnittsweise mit Aufenthalt, Lärm und Querungsbedarf bewerten.

Typische Fehler

  • Verkehrsberuhigung nur über Beschilderung erwarten.
  • Kreisverkehr ohne Prüfung von Fuß- und Radbeziehungen planen.
  • Radverkehr an Knotenpunkten schlechter führen als auf der freien Strecke.
  • Klimaschutz und Aufenthaltsqualität nur als gestalterisches Extra behandeln.
  • Seitenräume als Restfläche behandeln.

Wissen wird wertvoll, wenn es im Projekt sauber dokumentiert ist.

Mit sitepit bleiben Aufmaß, Fotos, Planstände, Tagesberichte und Nachweise dort, wo Bauleitung und Büro sie später wiederfinden.

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