Gesteinskörnungen, Recycling-Baustoffe und industrielle Nebenprodukte im Straßenbau

Mineralstoffe tragen den Straßenkörper. Ihre Kornverteilung, Form, Herkunft, Reinheit und Umweltverträglichkeit entscheiden über Tragfähigkeit, Frostschutz, Griffigkeit und Verwertung.

Gesteinskörnung Praxiswissen mit Checkliste Stand 03.05.2026

Worum es geht

  • Natürliche Gesteinskörnungen können rund oder gebrochen sein; Deckschichten benötigen häufig gebrochene, polierresistente Körnungen.
  • Recycling-Baustoffe und industrielle Nebenprodukte können geeignet sein, brauchen aber technische und umweltfachliche Nachweise.
  • Sieblinie, Unterkorn, Überkorn, Kornform, Feinanteile und Sauberkeit sind zentrale Prüfmerkmale.

Natürliche und gebrochene Körnungen

Natürliche Mineralstoffe stammen aus Kies, Sand oder gebrochenem Naturstein. Rundkorn lässt sich gut verarbeiten, verzahnt aber weniger stark. Gebrochene Körnungen wie Schotter, Splitt, Edelsplitt und Brechsand erhöhen die innere Reibung und sind für viele Deck- und Tragschichten unverzichtbar.

Kornbegriffe

Wichtige Begriffe sind Korngröße, Kornklasse, Lieferkörnung, Unterkorn, Überkorn, Füller, Sand, Splitt und Schotter. Die Korngrößenverteilung wird über Siebanalyse und Sieblinie beschrieben. Eine passende Sieblinie sorgt für dichte Lagerung, Tragfähigkeit und kontrollierbaren Hohlraumgehalt.

Qualitätsmerkmale

Geprüft werden unter anderem Rohdichte, Porigkeit, Frost- und Raumbeständigkeit, Schlagwiderstand, Druckfestigkeit, Polierresistenz, Hitzebeständigkeit, Haftung zu Bitumen, Kornform, Anteil gebrochener Körner, abschlämmbarer Feinanteil, organische Bestandteile und Fremdstoffe.

Recycling und Nebenprodukte

Recycling-Baustoffe stammen aus bereits genutzten mineralischen Baustoffen, industrielle Nebenprodukte aus Produktionsprozessen, etwa Schlacken oder Aschen. Ihre Verwendung kann Ressourcen sparen, verlangt aber bautechnische Eignung, Güteüberwachung und Einhaltung der Ersatzbaustoffverordnung, wenn mineralische Ersatzbaustoffe in technische Bauwerke eingebaut werden. Für Gesteinskörnungen ist zudem die TL Gestein-StB 04/23 wichtig, weil sie natürliche, industriell hergestellte und recycelte Körnungen sowie umweltrelevante Eigenschaften aktueller fasst.

Probenahme

Eine Prüfung ist nur so gut wie die Probe. Bei ungebundenen Tragschichten unterscheidet man Proben zur Beurteilung des angelieferten Materials und Proben zur Beurteilung der Bauausführung. Einzelproben werden aus der Schichtdicke entnommen, homogenisiert und über Probenteiler oder Kegelverfahren zur Laborprobe reduziert.

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Checkliste

  • Lieferkörnung, Sieblinie und Einbauzweck vor Bestellung festlegen.
  • Güteüberwachung, Prüfzeugnisse und Lieferscheine prüfen.
  • Fremdstoffe, organische Bestandteile und abschlämmbaren Feinanteil kontrollieren.
  • Bei Recycling-Baustoffen technische Eignung und ErsatzbaustoffV-Anforderungen trennen, aber beide erfüllen.
  • Probenahme repräsentativ und schichtbezogen dokumentieren.

Typische Fehler

  • Recyclingmaterial nur nach Preis auswählen.
  • Polierresistenz bei Deckschichten unterschätzen.
  • Entmischte Haufwerke repräsentativ beproben wollen.
  • Umweltrechtliche Zulässigkeit mit bautechnischer Eignung verwechseln.

Wissen wird wertvoll, wenn es im Projekt sauber dokumentiert ist.

Mit sitepit bleiben Aufmaß, Fotos, Planstände, Tagesberichte und Nachweise dort, wo Bauleitung und Büro sie später wiederfinden.

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