Bodenklassifikation: Korngrößen, Plastizität und Bodengruppen nach DIN 18196

Bodenklassifikation übersetzt eine Probe in technische Sprache. Aus Kornverteilung, Plastizität und organischen Anteilen wird eine Bodengruppe, die Hinweise auf Verdichtung, Frost, Durchlässigkeit und Tragfähigkeit gibt.

DIN 18196 Praxiswissen mit Checkliste Stand 03.05.2026

Worum es geht

  • Die aktuelle DIN 18196:2023-02 ordnet Böden nach Korngrößenbereichen, plastischen Eigenschaften und organischen Bestandteilen ein.
  • Grobkörnige, gemischtkörnige, feinkörnige, organogene und aufgefüllte Böden werden unterschiedlich beurteilt.
  • Alte Bodenklassen für Lösen und Fördern sind nicht dasselbe wie heutige Vertragsbeschreibungen mit Homogenbereichen.

Warum klassifizieren

Eine Bodengruppe fasst Böden zusammen, die bei ähnlichem stofflichem Aufbau vergleichbare bautechnische Eigenschaften erwarten lassen. Sie ersetzt keine Tragfähigkeits- oder Setzungsberechnung, gibt aber eine geordnete Erstbeschreibung für Planung, Ausschreibung und Ausführung.

Aktuelle Normbasis

Für die bautechnische Klassifizierung ist DIN 18196:2023-02 maßgebend. Sie baut auf DIN EN ISO 14688-1 und DIN EN ISO 14688-2 auf und gilt für Bodenproben, nicht für Fels. Gegenüber älteren Ausgaben wurden unter anderem das Plastizitätsdiagramm, Angaben zu Steinen und Blöcken sowie normative Verweise aktualisiert.

Kurzzeichen lesen

Die Hauptbestandteile werden im LM1 mit G für Kies, S für Sand, U für Schluff, T für Ton, O für organische Beimengungen, H für Torf, F für Mudde und K für Kalk beschrieben. Kennbuchstaben wie W, E oder I beschreiben die Kornverteilung, L, M und A die Plastizität.

  • GE, GW, GI: Kiesgruppen mit enger, weiter oder intermittierender Kornverteilung.
  • SE, SW, SI: Sandgruppen mit entsprechender Kornverteilung.
  • UL, UM, UA und TL, TM, TA: Schluffe und Tone mit unterschiedlicher Plastizität.
  • OU, OT, OH, OK, HN, HZ, F: organische, humose, kalkige oder torfige Böden.

Grob, gemischt, fein

Grobkörnige Böden werden vor allem über Kornanteile und Körnungslinie beschrieben. Gemischtkörnige Böden enthalten relevante Feinanteile und sind deshalb stärker wasser- und frostempfindlich. Feinkörnige Böden werden über Plastizität und Lage im Plastizitätsdiagramm eingeordnet.

U und Cc bei grobkörnigen Böden

Die Ungleichförmigkeitszahl und Krümmungszahl beschreiben, ob ein Boden enggestuft, weitgestuft oder intermittierend gestuft ist. Das ist wichtig für Verdichtbarkeit, Hohlraumanteil und Filterverhalten.

Ungleichförmigkeit
U=d60/d10U = d_60 / d_10
U = d60 / d10
Krümmungszahl
Cc=d302/(d10d60)Cc = d_30^2 / (d_10 \cdot d_60)
Cc = d30^2 / (d10 * d60)

Bodengruppe und Vertrag trennen

Das LM1 stellt noch den Zusammenhang zu Bodenklassen nach DIN 18300 dar. Für heutige Ausschreibungen ist wichtig: Technische Bodenansprache, Bodengruppe und vertragliche Homogenbereiche nach aktueller ATV DIN 18300 sind sauber zu trennen. Ein alter Begriff aus Bestandsunterlagen darf nicht ungeprüft in ein aktuelles LV wandern.

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Checkliste

  • Korngrößenverteilung, Plastizität und organische Bestandteile gemeinsam bewerten.
  • Kurzzeichen nicht ohne Prüfgrundlage vergeben.
  • Feinanteil bei Sanden und Kiesen gesondert beachten.
  • Bodengruppe und vertraglichen Homogenbereich nicht vermischen.
  • Bei alten Gutachten Begriffe und Normstand vor Ausschreibung prüfen.

Typische Fehler

  • Bodenklasse, Bodengruppe und Homogenbereich gleichsetzen.
  • Feinanteile in scheinbar rolligen Böden unterschätzen.
  • Organische Beimengungen nur wegen kleiner Menge ignorieren.
  • Kornverteilung ohne Konsistenzgrenzen zur Einordnung bindiger Böden nutzen.

Wissen wird wertvoll, wenn Baugrundentscheidungen im Projekt sauber dokumentiert sind.

Mit sitepit bleiben Gutachten, Fotos, Aufmaß, Planstände, Tagesberichte und Nachweise dort, wo Bauleitung und Büro sie später wiederfinden.

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