Baugrundaufschluss: Schurf, Bohrung, Rammsondierung, SPT und CPT

Baugrund kann man nicht aus dem Plan heraus erraten. Aufschlüsse machen Schichten, Wasser, Lagerung und Proben erst sichtbar oder messbar. Entscheidend ist, dass Verfahren, Tiefe und Raster zur Bauaufgabe passen.

Schurf Praxiswissen mit Checkliste Stand 03.05.2026

Worum es geht

  • Direkte Aufschlüsse zeigen Boden oder Fels und ermöglichen Probenahme.
  • Sondierungen liefern Widerstandsdaten, brauchen aber Bodenansprache zur Interpretation.
  • Rammsondierungen ohne ergänzende Aufschlüsse können ein falsches Bild erzeugen.

Direkt oder indirekt

Direkte Verfahren sind Schürfe, Schächte, Stollen und Bohrungen. Man sieht Schichten, kann Proben nehmen und Beobachtungen dokumentieren. Indirekte Verfahren wie Sondierungen oder geophysikalische Messungen liefern Messgrößen, die mit Baugrundeigenschaften korreliert werden.

Aktueller Normkontext

DIN 4020:2010-12 ist weiterhin aktuell und ergänzt DIN EN 1997-2 sowie den nationalen Anhang. Für die Praxis heißt das: Erkundung, Probenahme und Laborprogramm müssen so geplant werden, dass Aufbau, Beschaffenheit und Kennwerte des Baugrunds schon für Entwurf, Ausschreibung und Nachweise belastbar beschrieben sind.

Schürfe

Schürfe bieten im oberflächennahen Bereich den besten Blick auf Schichtenaufbau, Wechsel, Auffüllungen, Wurzeln, organische Lagen und bestehende Gründungen. Typisch sinnvoll sind sie bis einige Meter Tiefe, solange Standsicherheit, Wasserzutritt und Arbeitsschutz beherrscht werden.

Bohrungen und Kleinbohrungen

Bohrverfahren werden nach gewünschter Probengüte, Bodenart, Durchmesser, Tiefe und Grundwasser gewählt. Kernbohrungen können hochwertige Proben liefern, Dreh-, Greifer-, Schlag- oder Spülbohrungen haben andere Stärken und Störwirkungen. Kleinbohrungen und Rammkernsondierungen dienen oft der Übersicht und Ergänzung.

Rammsondierung

Bei Rammsondierungen wird gezählt, wie viele Schläge für eine definierte Eindringtiefe nötig sind. Daraus lassen sich Hinweise auf Lagerungsdichte oder Konsistenz ableiten. Mantelreibung, Grundwasser, Steine und unbekannte Bodenarten können die Schlagzahlen aber stark verfälschen.

SPT und CPT

Der Standard-Penetration-Test wird im Bohrloch ausgeführt und wertet den Eindringwiderstand für die letzten 30 cm. Beim Cone-Penetration-Test wird eine Messspitze kontinuierlich eingedrückt, moderne Geräte trennen Spitzendruck und Mantelreibung. Beide Verfahren liefern stärkere Auswertungsgrundlagen als reine Sichtansprache, bleiben aber fachlich zu interpretieren.

Passende Rechner zu diesem Thema.

Checkliste

  • Geotechnische Kategorie, Bauwerksart und Baugrundrisiko vor Erkundung klären.
  • Aufschlusstiefe so wählen, dass beanspruchte Schichten und mögliche Gleitflächen erfasst werden.
  • Sondierungen immer mit Bodenprofilen und Wasserbeobachtungen verbinden.
  • Schürfe nur standsicher, zugänglich und mit Arbeitsschutz herstellen.
  • Bohrprofile, Proben und Feldversuche eindeutig stationieren und beschriften.

Typische Fehler

  • Rammsondierdiagramm ohne Kenntnis der Bodenart interpretieren.
  • Aufschlussraster zu grob wählen und Schichtwechsel übersehen.
  • Grundwasserbeobachtungen nur am Bohrtag als endgültig behandeln.
  • Bohrverfahren wählen, das die benötigte Probengüte gar nicht liefern kann.

Wissen wird wertvoll, wenn Baugrundentscheidungen im Projekt sauber dokumentiert sind.

Mit sitepit bleiben Gutachten, Fotos, Aufmaß, Planstände, Tagesberichte und Nachweise dort, wo Bauleitung und Büro sie später wiederfinden.

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